Digitale Souveränität – da reden wir doch gerne Bla-bla-bla

Meine Güte, digitale Souveränität, das Modewort der letzten Monate. Wer hat sich nicht alles geäußert und mal mehr, mal weniger fachkundig seinen Senf dazu gegeben. Schauen wir uns die Realität mal etwas genauer an, folgt eine große Ernüchterung. Geredet wird viel, mehr oder weniger sinnlose Strategie-PDFs erzeugt und die Kommentarspalten der einschlägigen Fachpresse füllen sich. Ganz praktisch sieht die Welt leider nicht so aus, schaut man sich die einzelnen Sektoren an.

Öffentliche Verwaltung – Ein Flickenteppich und viel Absicht

Die Absichtserklärungen fangen an sich zu häufen. Jetzt hat, 2026 wohlgemerkt, auch die Bundestagsverwaltung gemerkt, dass man irgendwie vom Riesen aus Redmont abhängig ist und Besserung gelobt. Immerhin. Und einige Leuchttürme gibt es auch. Schleswig-Holstein zum Beispiel, nebenbei eines meiner Lieblings-Urlaubsländer bei uns in Deutschland, hat tatsächlich eine Digitalstrategie, die man getrost auch Strategie nennen darf. Umstellung auf Open-Source, zunächst mit Libre-Office statt Microsoft Office, dann Open Exchange und in der letzten Ausbaustufe Linux statt Windows auf den Arbeitsplatzrechnern. Toll, ich weiß schon, warum ich mich im Norden manchmal so wohl fühle. Und die anderen Bundesländer?

Bayern und Baden-Württemberg

gehen einen komplett anderen Weg. Nun gut, im Weißwurstland sitzt ja auch die deutsche Tochter des Redmonder Riesen, ob es da Zusammenhänge gibt? Und beide Bundesländer beschaffen nun auch noch die Schnüffelsoftware Palantir, zu deren Gründer Peter Thiel, geboren in Frankfurt am Main, also in den USA ein Einwanderer mit Migrationshintergrund und extremen demokratiefeindlichen, rechtspopulistischen Tendenzen, zählt.

Und die anderen Bundesländer? Nun gut, zaghafte Anfänge sind hier und da sichtbar. Eine konsistente Strategie, wie in Schleswig-Holstein, nirgendwo sichtbar.

Und die Kommunen?

Hängen mit den Fachverfahren weitgehend von den Vorgaben auf Landesebene ab, einzelne Ansätze zu digitalen Souveränität eher selten. Und gern verweisen die kommunal zuständigen Bürgermeister und OBs auf die Abhängigkeit von den Vorgaben der Länder bei den Fachverfahren. Doch halt, auch da gibt es Ausnahmen, die vielleicht ein wenig Hoffnung machen können. Wer kennt in Baden-Württemberg schon das Städtchen Schwäbisch-Hall? Schon 2024 veröffentlichte der IT-Leiter des Städtchens, dass die Umstellung auf Linux als Betriebssystem schon lange läuft:

„Seit über 20 Jahren laufen bei der Stadt Schwäbisch Hall alle Clients konsequent unter Linux. Dieses Alleinstellungsmerkmal zeichnet Schwäbisch Hall im kommunalen Umfeld aus. Dass Problem, dass unsere Systeme aufgrund des Cloud-Strike Updates lahmgelegt werden können, haben wir nicht.“
(Quelle: https://www.schwaebischhall.de/de/rathaus-service/aktuelles-presse/aktuelles/presse-aktuell/2455/it-struktur-die-zukunft-ist-open-source)

Liebe Bürgermeister und OBs, es geht also doch?

Und die Unternehmen?

Als betrieblicher Datenschutzbeauftragter bekomme ich einen recht guten Überblick über die verschiedensten Branchen, hauptsächlich mittelständischer Firmen. Die Abhängigkeit von US-amerikanischer Software, ob Server, Desktops oder Cloudlösungen ist riesig. Der Preis der Abhängigkeit wird in den kommenden Jahren immer sichtbarer werden. Und in Euro und Cent ziemlich kostspielig. Dabei bestünden durchaus Möglichkeiten, wenn schon nicht in Gänze, so doch die eine oder andere Abhängigkeit abzulösen. Ansätze gibt es in der EU und in Deutschland, man muss sie nur nutzen. Auch in Deutschland existieren Unternehmen, die im Bereich SaaS oder KI Alternativen zu US-amerikanischen Lösungen bieten. Und Open Source ist längst im betrieblichen Alltag angekommen, auch wenn es niemand merkt, da die etablierten Softwareanbieter selbstverständlich Open Source in ihre proprietäre Software einbauen. Merkt man aber nur, wenn mal wieder Warnungen zu Sicherheitslücken aufploppen, die auf verwendete Open Source Bibliotheken hinweisen. Was spricht, außer der Gewohnheit, dagegen, zunächst einmal von Microsoft Office auf Libre Office umzusteigen? Oder eine rein europäische Cloudlösung mit europäischem Anbieter zu nutzen? Beides ist ohne allzu großen Umstellungsaufwand möglich und noch dazu datenschutzfreundlicher, als die US-Angebote. Denn eines ist allen vollmundigen Versprechungen aus den USA zum Trotz auch klar. Selbst bei ausschließlich europäischen Standorten müssen amerikanische Unternehmen die dort liegenden Daten an amerikanische Behörden herausgeben, FISA sei Dank.

So, nun habe ich genug gemeckert. Bevor jemand nachfragt, mein Unternehmen läuft seit über 15 Jahren zu 95% auf Linux und Open Source. Eingespart wurden im Laufe der Jahre ein höherer sechsstelliger Betrag alleine an Lizenzkosten. Und das bei einem kleinen Unternehmen. Und Schleswig-Holstein? Die haben trotz der Umstellungskosten bereits Millionen Euro an Steuergeldern eingespart. Chapeau. Das Titelbild wurde übrigens auch in Schleswig-Holstein, an der Ostsee aufgenommen.

Danke fürs Teilen. Diese Website verwendet die Shariff-Lösung der Ct‘. Ihre Daten werden erst an Dritte übertragen, wenn Sie aktiv auf einen der Buttons klicken.