Puh, ein brisantes Thema. Vor allem nach den Erfahrungen der letzten Jahre und den nicht gerade kleinen Herausforderungen, die auf unsere Stadt zukommen. Sieben Kandidaten und eine Kandidatin treten an um den OB-Sessel zu erklimmen. In einer Stadt, die wie viele andere Kommunen auch, vor gewaltigen Herausforderungen steht. Und eine ganz besondere Brisanz entsteht durch die Kandidatur des derzeitigen AfD Bundestagsabgeordneten für die Position. Das wäre natürlich bundesweit und darüber hinaus ein Signal, ausgerechnet ein AfD Mann auf dem Chefsessel einer Stadt, die wie wenige andere Städte von der Internationalität und internationalen Gästen lebt. Doch der Reihe nach.
Problem No. 1: Die marode Finanzsituation
Da steht unsere Stadt nicht alleine, die jüngste Meldung aus Karlsruhe war, dass die Stadt mit sofortiger Wirkung eine Stellenbesetzungssperre verhängt hat, nachdem die Einnahmen der Gewerbesteuer eingebrochen sind. Und da sind wir schon beim Kern der Sache. Kommunal alleine können allenfalls Maßnahmen der Milderung eine gewisse Entlastung bringen, solange aber das Kernproblem der mangelnden Finanzierung aus Steuermitteln nicht gelöst ist, kann eine Stadt allenfalls versuchen ein Pflästerchen über die Wunde zu kleben. Mehr geht nicht. Ich würde mir also von einem OB wünschen, dass er sich im Verbund mit anderen Bürgermeistern und OBs in Bund und Land deutlich vernehmbar für eine Umverteilung zugunsten der Kommunen einsetzt. Denn da wird Demokratie gelebt. Nirgendwo sonst erfährt die Bürgerin, der Bürger hautnäher, dass Politik sehr wohl in das ganz persönliche Leben eingreift. Wenn Kitaplätze fehlen, die Museen und kulturellen Einrichtungen mit immer weniger Geld auskommen müssen und gar Hundekotbeutel einkassiert werden, dann ist das schon spür- und sichtbar. Manchmal kann man es leider auch riechen.
Problem No2: Der Klimawandel und seine Folgen

2025 war nur knapp kühler als die Rekordjahre 2024 und 2023, belegt also den 3. Platz in der Rangliste der heißesten Jahre seit Messbeginn um 1850. Wer mit aufmerksamen Augen durch unsere Stadt geht, sieht die Folgen. Jahr für Jahr muss das Gartenamt Bäume fällen, die dem Trockenstress der letzten Jahre nicht mehr gewachsen sind. Die Bewässerung der Lichtentaler Allee stellt in Trockenperioden eine ordentliche Herausforderung dar. Und das ist nur ein (sichtbarer) Bereich.
Und in der erweiterten Umgebung haben wir mit dem Baden-Badener Stadtwald den größten Waldbesitz in kommunaler Hand in Baden-Württemberg. Mit Regionen und Gebieten, die in trockenen Phasen nicht selten in der höchsten Waldbrandgefahrenstufe einzuordnen sind. Der smarte Löschwasserbehälter im Bild hilft vielleicht, im Krisenfall die Feuerwehr bei ihrer Arbeit zu unterstützen.
Ich würde mir von einem künftigen OB wünschen, dass die Stadt Baden-Baden Mitglied im Sendai Framework wird und sich weltweit mit anderen Städten und Regionen austauscht, um unsere Stadt resilienter gegen die Folgen des Klimawandels aufzustellen. Wer mehr zum Sendai Framework wissen will, wird hier fündig.
Problem No. 3: Erhalt des Welterbestatus
Nach langen Jahren hat es Baden-Baden dank der Initiative des Freundeskreises Lichtentaler Allee e.V. geschafft, im Verbund der 11 Städte, den Welterbestatus der Great Spa Towns of Europe zu erlangen. Das ist sowohl eine Ehre, aber auch eine Verpflichtung und Verpflichtungen kosten nun mal, siehe Problem No. 1, Geld. Wichtig zu wissen, verliert auch nur eine einzige Stadt den Welterbestatus, verlieren alle anderen mit. Was das für die Reputation einer Stadt bedeutet, mag ich mir nicht ausmalen. Es reicht nicht aus, mal demonstrativ gegen Windräder in Sichtweite vorzugehen, gefordert ist ein Gesamtkonzept das sowohl der kulturellen Bedeutung wie der historischen Bausubstanz unserer Stadt gerecht wird. Mal abgesehen davon finde ich, dass das Stadtmarketing aus dem Welterbestatus unserer Stadt deutlich mehr machen könnte. In Städten wie Schwerin hängt über dem Beginn der Fußgängerzone ein großes Banner, das auf den Welterbestatus hinweist. So etwas könnte ich mir auch in der Fußgängerzone oder auf der Einfahrt über die B500 gut vorstellen. Ich würde mir von unserem künftigen OB oder unserer künftigen OB wünschen, dass er oder sie den Erhalt des Welterbestatus auf der Prioritätenliste weit oben ansiedelt und Maßnahmen zur Förderung aktiv unterstützt.
So, ich könnte jetzt noch ca. 30-50 weitere Spiegelstriche nennen, die auch wichtig wären. Belasse es aber erst mal bei diesen dreien. Ich bin gespannt, mit welchen Positionen die 8 Kandidatinnen bzw. Kandidaten um meine und unsere Stimme werben.
Diese drei Bereiche sind für meine Wenigkeit wahlentscheidend.
